Eigentlich wollte ich Bauleiterin werden . . .
So richtig mit Helm, Bauplänen unter dem Arm, diesem Blick, der sagt: Hier entsteht etwas Großes ... und mit diesem selbstbewussten Nicken, mit dem Bauleiter*innen anscheinend auf die Welt kommen.
Ich mochte schon immer Baustellen. Dieses Durcheinander aus Lärm und Staub. Während andere als Kinder Burgen aus Sand gebaut haben, habe ich ganze Städte geplant und gezeichnet.
Meine Zukunft hatte mir etwa so vorgestellt: Ich stehe mitten auf einer Baustelle, zwischen Baggern, Radladern und LKWs. Ich treffe Entscheidungen, zeige auf irgendetwas Wichtiges und sage Sätze wie: "Das muss bis morgen fertig sein."
Der Plan war klar: Wenn ich alt genug war, wollte auf dem Bau arbeiten und irgendwann selbst eine Baustelle leiten.
Aber Pläne sind manchmal nur der Anfang einer Geschichte – nicht ihr Ende. Denn die Realität sah … ein bisschen anders aus.
Auf meiner ersten richtigen Baustelle machte ich ein Praktikum. Ich bekam einen Helm, der mir ständig über die Augen rutschte und Sicherheitsschuhe, in denen ich über den sandigen Boden stampfte, wie eine sehr entschlossene Elefantkuh die versuchte ihrer Herde folgen. Und ich bekam einen Plan. Einen Plan, den ich unsagbar lange drehen musste, bis ich endlich herausgefunden hatte, wo oben und wo unten war.
Während die anderen längst arbeiteten, stand ich da - planlos trotz Plan - und dachte: So eine Baustelle an einem Sommertag sieht fantasisch aus: die Schatten und die Kontraste, Staubwolken im hellen Sonnenlicht, Baggerschaufeln vor blauem Himmel.
Und dann dieser Moment, wenn eine alte Wand kippt und plötzlich Licht durch den Rest des Gebäudes fällt.
Also fing ich an, Fotos zu machen.
Während die letzten Mauern des alten Hauses eingerissen wurden, habe ich versucht, den besten Winkel zu finden und habe Staubwolken fotografiert, als wären sie Kunst.
Und irgendwann wurde mir klar:
Ich werde vielleicht nie eine Baustelle leiten, aber ich werde sie festgehalten. Zur "Sicherheit" habe ich dann aber doch noch einen kompletten Projektmanagement Kurs mit Schwerpunkt Bauprojekte besucht - man weiß ja schließlich nie was die Zukunft bringt . . . Der Lehrgang hat mir nicht nur viel Spaß gemacht, ich habe auch viel gelernt und die Ausbildung erfolgreich abgeschlossen.
Ich hatte Glück: Als ich für einen Reiseverstalter auf den Kanarischen Inseln gearbeitet habe, hat dann doch noch meine "große Stunde geschlagen". Ich war auf Teneriffa unterwegs, um private Ferienunterkünfte zu fotografieren. Ein deutsches Paar hatte im Süd-Osten der Insel ein großes Grundstück erworben und wollte dort einige bestehende Gebäude umbauen sowie auch mehrere Ferienhäuser errichten. Wer die "Arbeitsmoral" im Süden Europas kennt, der weiß genau, dass ein Vorhaben wie dieses, nicht gerade einfach umzusetzen ist.
Auch wenn ich bis heute noch immer nicht weiß, wie ich es geschafft habe - es mir gelungen, das Bauunternehmen zu überzeugen. Die "Bauleitung" wollte das Paar selbst übernehmen. Was in einer kleiner Katasthrope endete, die dazu führte, dass ich von den beiden engagiert wurde, um das Bauvorhaben zu leiten. Zugegeben: Es war nicht immer leicht, aber insgesamt eine tolle Erfahrung, die ich jederzeit wiederholen würde. Wenn du mehr über die Baustelle wissen möchtest und dich interessiert, wie ich es "unter Einsatz meines Lebens" geschafft habe, mir Anerkennung zu erarbeiten, dann klick auf den Button oberhalb des Textabschnittes.
Heute stehe noch immer auf Baustellen. Mit Helm und Sicherheitsschuhen zwischen Baggern und Bauschutt. Statt Bauplänen habe ich meine Kamera in der Hand, die ich zum Glück nicht all zu lange drehen muss, um herauszufinden, wo oben und wo unten ist.
Und, mal ganz ehrlich: Hin und wieder als Baustellenfotografin zu arbeiten, das war definitiv einer der besten Pläne, den ich jemals hatte : )